Ich arbeite seit vielen Jahren in einer Grundschule. Ich kann gut verstehen, warum Kinder oft keine Lust auf Schule haben. Und gleichzeitig weiß ich: Später werden viele von ihnen wehmütig auf diese Zeit zurückblicken. In der Oberschule wünscht man sich zurück in die Grundschule. In Ausbildung oder Studium sehnt man sich nach der Schulzeit. Und wenn man schließlich im Berufsleben angekommen ist, merkt man plötzlich, wie schön die Zeit der Ausbildung war.
Vielleicht liegt das daran, dass die Herausforderungen mit jedem Lebensabschnitt größer werden. Am Anfang lernen Kinder spielerisch. Später wird es ernst. Spätestens als ich Latein, Griechisch und Hebräisch fürs Studium lernen musste, hatte Lernen wenig mit Spiel zu tun – das war harte Arbeit.
Aber: Ohne Fleiß kein Preis.
Wenn wir auf dem spielerischen Niveau der ersten Klasse stehen bleiben würden, kämen wir im Leben nicht weit.
Das Leben funktioniert ähnlich wie eine Bergtour. Wenn du den Ausblick genießen willst, gehört der anstrengende Aufstieg dazu. Beim Wandern akzeptieren wir das. In der Schule auch. Aber sobald Widerstände im Leben auftauchen, reagieren wir oft anders: Wir jammern – und wir suchen einen Schuldigen.
Die gute Nachricht ist: Ganz gleich, woher die Schwierigkeiten in deinem Leben kommen – Gott kann sie nutzen. Wenn Gott Herausforderungen zulässt, dann nie grundlos. Selbst dann nicht, wenn wir uns durch eigene, unkluge Entscheidungen in Probleme manövriert haben. Gott ist größer als unsere Fehler.
Paulus schreibt: „Wir freuen uns sogar über die Schwierigkeiten, weil wir wissen, dass sie Geduld hervorbringen. Geduld aber formt unseren Charakter, und der bewährte Charakter stärkt unsere Hoffnung.“ (Römer 5,3–4).
Das bedeutet: Jede Schwierigkeit hat einen Lerninhalt.
Jeder Sturm ist eine Schule.
Jede Krise ein Lehrer.
Jede Erfahrung eine Ausbildung.
Meine Erfahrung ist: Wenn wir etwas nicht lernen, bringt Gott es oft noch einmal zurück. Nicht, weil er uns ärgern will – sondern weil er mehr an unserem Charakter interessiert ist als an unserem Komfort. Gott will nicht in erster Linie, dass unser Leben leicht ist, sondern dass wir Jesus ähnlicher werden.
Das fühlt sich manchmal an wie Sitzenbleiben. Wie Vokabeln wiederholen. Wie eine Prüfung, die man eigentlich hinter sich lassen wollte. Und ja – manche Lektionen sind schwer: Krankheit, finanzielle Sorgen, Schuld, Konflikte in Beziehungen.
Gott könnte all das mit einem Fingerschnippen beenden. Wenn er es nicht tut, dann nicht, um dich zu quälen, sondern um dich zu formen. Mitten in deiner Schwierigkeit spricht Gott dir zu:„Gib nicht auf. Wachse daran.“
Herausforderung für heute: Frag dich heute bewusst: Was könnte Gott mich gerade lehren wollen – mitten in meiner Herausforderung? Bitte ihn nicht nur um Veränderung der Umstände, sondern auch um Veränderung deines Herzens.
Gott verschwendet keine Lektion. Und er geht jeden Schritt des Lernwegs mit dir.
Sei gesegnet.
„Schwierigkeiten bereiten gewöhnliche Menschen auf ein außergewöhnliches Schicksal vor“ (C. S. Lewis).


